Wir Menschen, eine Reise zu uns selbst

 

Wir können nur etwas gegen das Übel tun, wenn wir erkennen, dass seine Wurzeln in uns selbst liegen, schon in unseren Genen, und versuchen, damit vernünftig umzugehen.

 

Aus diesem Grund habe ich versucht, unser menschliches Wesen umfassend darzustellen. Ich war bei dieser Arbeit allerdings oft auf mich selbst gestellt, weil entsprechendes Wissen in manchen Bereichen noch fehlt. Ich hoffe, es ist mir trotzdem gelungen, Sie als Leser auf wesentliche Eigenheiten unseres Wesens hinzuweisen.

 

Ein kurzer Überblick über den Inhalt meines Buches

 

Philosophischer Teil

 

Im ersten Teil befasse ich mich mit Leben, Geist und Seele. Was sagen Überlegungen zu diesen Begriffen über uns selbst aus?

 

Als Lebewesen sind wir im Rahmen der Evolution entstanden. Wie alle anderen Lebewesen mussten auch unsere Vorfahren immer eine Bedingung erfüllen: Sie mussten lebens- und vermehrungstüchtig sein. Alles andere zählte nicht. Uns liegt also also keine systematische Konstruktion zugrunde. Es setzte sich durch, was sich im praktischen Leben jeweils bewährte. Vielleicht ist manches an uns widersprüchlich. Auch unser Denkvermögen kann unvollkommen sein.

 

(Die Erkenntnisse der Wissenschaften (Naturwissenschaften) liegen heute klar auf dieser Linie.)

 

Wir empfinden. Wir können an der Existenz von Empfindungen nicht zweifeln. Sie sind einfach da, gegeben. Wir können sie als das Realste bezeichnen. Empfindungen sind immer Ich-Empfindungen. Wir fühlen uns als „ich“. Wir sind! Empfindungen können angenehm oder unangenehm sein. Dank dieser Beschaffenheit hat unser Leben einen Wert, einen realen. Es gibt es reale Werte! Das Universum ist sich nicht mehr gleichgültig!

 

Wir können uns, „uns“ als erlebende Wesen verstanden, auch als unsterblich vorstellen. Denn auch wenn es vergängliche Prozesse sind, die uns entstehen lassen: Nichts sagt, dass in ferner Zukunft derselbe Prozess, der mich heute hervorbringt, nicht auch wieder auftreten wird. Wir haben auch keine Ahnung, wie wir das Erleben in seiner subjektiv empfundenen Beschaffenheit anhand von physikalischem Wissen über Vorgänge im Gehirn erklären könnten. Wie entstehen zum Beispiel subjektive Eindrücke von Farben oder Gerüchen? Alle diese Überlegungen veranlassen mich, das Erleben auch als Seele zu bezeichnen.

 

Wichtig für das Verständnis von uns selbst ist es, die Verarbeitung von Information, wie sie jedes Steuergerät tun muss, vom Erleben zu trennen. Steuernde Prozesse lassen sich mit Hilfe physikalischen Wissens leicht erklären. Ein Geheimnis bedeuten dagegen – vermutlich für alle Zukunft – die subjektiven Empfindungen. Als Geist können wir die Gesamtheit der das Verhalten steuernden Prozesse bezeichnen. Geist steuert auch mit Hilfe des Erlebens. Wir streben Angenehmes an und versuchen Unangenehmes zu vermeiden.

 

(Leider tut sich gerade die Philosophie sehr schwer mit dem Ich-Erleben und seiner Bedeutung. Manche Philosophen leugnen sogar deren Existenz. Umstritten ist, ob sich die Beschaffenheit des Erlebens mit physikalischen Mitteln erklären lässt. Tatsächlich haben wir keine Ahnung, wie eine solche Erklärung überhaupt aussehen könnte. Oft spricht man von „Bewusstsein“. Man wirft damit die Vorgänge der Steuerung und das oft damit verbundene subjektive Erleben zu Unrecht in einen Topf.)

 

Psychologischer Teil

 

Das meiste Übel auf der Welt ist offensichtlich unser eignes Werk. Wenn wir das Übel, das wir tun, kontrollieren wollen, müssen wir uns selbst, das heisst die Triebkräfte hinter unserem Tun erkennen.

 

(Dieser Auffassung bin ich in der Philosophie noch nicht begegnet.)

 

Die unserem Verhalten zugrunde liegenden Interessen stammen weitgehend aus uns selbst. Manches haben wir auch aus dem Tierreich übernommen. Die inneren Anlagen sagen uns, was wir wollen sollen. Sie sagen es vor allem mit Hilfe von Gefühlen. Wir sind Gefühlswesen!

 

(Die Naturwissenschaften werden beipflichten, die Geisteswissenschaften oft widersprechen. Über uns selbst als Gefühlswesen fehlen wissenschaftliche Untersuchungen leider noch weitgehend.)

 

Unsere Neigungen führen nicht nur zu Gutem. Das können sie nicht leisten, weil wir uns nicht nur gegenüber der Umwelt, sondern auch gegenüber anderen Menschen durchsetzen müssen. Ein Teufelchen in uns hilft, die eigenen Interessen gegenüber anderen Menschen zu verteidigen. Wir reagieren böse, wenn jemand sie verletzt! Doch wir haben als soziale Wesen in uns auch ein Engelchen. Gerne helfen wir, und andere helfen uns, wenn wir Hilfe brauchen. Leider kann sich das Teufelchen zu einem riesigen Teufel entwickeln. Oft helfen wir auch am falschem Ort oder unterlassen Hilfe, wo sie dringend nötig wäre. Im Bündnis mit dem Teufel kann das Engelchen uns sogar Terroristen werden lassen!

 

(In den Geisteswissenschaften ist die Ablehnung innerer Anlagen noch immer weit verbreitet. „Die Triebtheorie hat ohnehin ausgedient“, lese ich in einem neueren philosophischen Lexikon. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse interessieren manchen Geisteswissenschaftler nicht.)

 

Wir sind auch Kulturwesen. Wir sind so, weil innere Anlagen uns Kultur schaffen lassen! Die wohl wichtigste Aufgabe einer Kultur: aus Gruppen von Menschen lebenstüchtige Gemeinschaften entstehen lassen. Zur Kultur gehören Vorstellungen über die Art, wie man lebt, Ziele, die man anstreben will und viele Einrichtungen zur Bewältigung des Lebens. Eines leistet Kultur nicht oder kaum: Sie macht uns nicht zu guten und glücklichen Menschen.

 

(Meine Einschätzung der Bedeutung von Kulturen stammt aus eigener Erfahrung im Kontakt mit einem Naturvolk.)

 

Neben inneren Triebkräften und kulturellen Vorgaben steuert auch klarer Verstand unser Denken und Handeln. Oft erweist er sich aber als zu schwach. Oft entscheiden wir intuitiv, manchmal sogar gegen eindeutiges, besseres Wissen!

 

(Über Unvollkommenheiten unseres Verstandes informieren uns verschiedene psychologische Untersuchungen. In der Philosophie werden sie kaum zur Kenntnis genommen.)

 

Trotzdem: Wir sind auch Wesen mit Vernunft. Wir sind uns unser bewusst. Wir wissen, was wir tun und können unser Handeln kontrollieren. Eine genügend starke Vernunft müsste uns das rationale Ziel allen Strebens aufzeigen und unser Tun auf dieses Ziel hin ausrichten lassen. Was zählt, ist immer das Befinden. Nur um dieses geht es. Alle anderen Ziele haben nur insofern eine Bedeutung, als sie das Befinden fördern. Die Vernunft müsste uns dies einsehen lassen. Doch oft folgen wir blind inneren Anlagen oder kulturellen Vorgaben.

 

(Die Auffassung, dass es bei allem immer um das Befinden geht, beginnt in der Öffentlichkeit zu wachsen. Als rationales Ziel allen Strebens hat sie die Wissenschaften und die Politik noch nicht erreicht.)

 

KH, im November 2015