Was ist Erkenntnis?

 

Wie erwerben wir Wissen? Was ist "Wissen"? Gibt es überhaupt  Wissen? Selbstverständlich gibt es Wissen. Wir brauchen es, um zu leben. Wie wir es erwerben, lässt sich leicht einsehen. Ich zeige Ihnen, wie sich die Sache wirklich verhält.

 

Wichtig: Als wissenschaftlich denkender Mensch bin ich immer bereit, meine Auffassung zu ändern. Nur die Bereitschaft, falsche Meinungen zugunsten besser begründeter fallen zu lassen, führt zu Wissen. Nach diesem Prinzip arbeitet auch die Wissenschaft. Sie sucht und findet, manchmal allerdings auf krummen Wegen.

 

Zur Erkenntnisfrage habe ich ein Buch geschrieben. Es heisst: Die Abstraktion der Yael Meier (ISBN 978 3037890127, zu beziehen bei Kaktus, Luzern) und nimmt ausführlich zu den wichtigsten philosophischen Fragen der Erkenntnistheorie Stellung. Es behauptet aber auch, die Sache richtig darzustellen. Trifft das zu? Ich hoffe es. Aber mein Ziel ist es nicht, recht zu haben. Ich will die Wahrheit kennen. Wenn mir jemand klar sagen kann, wo ich einem Irrtum unterliege, werde ich meine Auffassung gerne anpassen.

 

 

Hier kurz das Wichtigste zusammengefasst

Wenn Sie das Erkenntnisproblem verstehen wollen, müssen Sie sich fast in jedem Fall mit Sachverhalten abfinden, die Ihnen fremd sind oder sogar Ihrer aktuellen Meinung widersprechen. 

 

Eine erste Erkenntnis: Die empirische Sicht liefert uns eine konsistente, widerspruchsfreie Sicht des Erkenntnisproblems.

Die empirische Sicht sagt: Es gibt kein Wissen über irgendetwas ohne Beobachtung. Genau gesagt: Nur Beobachtungen können Meinungen über Sachverhalte als verlässlich (= wahr) bestätigen.

 

Was wir beobachten, sind nicht in erster Linie Sinneseindrücke, erst recht nicht eine Welt. Es ist das persönliche, je gegenwärtige Erleben. Das Erleben ist gegeben. An seiner Existenz lässt sich nicht zweifeln.

 

Das Erleben könnte aber immer auch anders sein. Es gibt keinen "höheren" Grund, der sagt, wie es sein müsse. Dies lässt sich mit guten Argumenten begründen. Eines ist das Traumargument: Was wir erleben, könnte immer nur Traum sein. Offensichtlich verfügen wir aber über sehr viel Wissen, wir als Personen und wir als Mitglieder einer Gemeinschaft. Wie erwerben wir Wissen? Wir müssen es ershliessen. Wir erschliessen es aus unserem Erleben, der Grundlage, die uns gegeben ist.

 

Alles Wissen erschliessen wir also erst. Wissen erschliessen heisst Erforschen von noch Unbekanntem. Daher kann es beweisbar wahre Erkenntnisse nicht geben! Damit müssen wir uns abfinden.

 

Trotzdem lässt sich manche Erkenntnis derart gut bestätigen, dass an ihrer Verlässlichkeit nicht mehr gezweifelt werden kann. Tatsächlich verfügen wir über manche verlässliche Information. Verlässliche Information können wir auch als „Wissen“ oder „Wahrheit“ bezeichnen. Verlässlichkeit steht aber nie am Anfang des Erkenntnisprozesses. Sie soll dessen Ergebnis sein.

 

Alles Wissen stammt aus Beobachtungen. Als existierend können wir daher nur Sachverhalte betrachten, die im Erleben eine Spur hinterlassen, d.h. auf die wir zur Erklärung des Erlebens schliessen müssen.

 

Die Brücke zu Erkenntnissen schaffen wir dank unserer Fähigkeit, uns Vorstellungen über Eindrücke zu bilden und die eintretenden Eindrücke mit den vermuteten zu vergleichen.

 

Als offensichtlich verlässlich erweisen sich unsere Auffassungen über eine Welt, die an sich besteht, und von uns selbst als Menschen, Wesen mit einem Körper, selbst Teil dieser Welt, die wir gemeinsam diese Welt erforschen. Sachliche Gründe für die Evidenz dieser Annahmen finden wir leicht, gültige Gegenargumente dagegen nicht. Zweifel ist aus logischen Gründen zwar immer möglich. Sachlich müsste aber auch ein Zweifel begründet werden. In den erwähnten Fällen kennen wir keine Gründe für einen Zweifel.

 

Wissen erwerben wir durch widerspruchsfreien Einbau neuer Erfahrung in bereits vorhandenes, wenn möglich evidentes Wissen. Dabei vernetzen wir: Wir suchen nicht nach einer möglihst grossen Anzahl gleichartiger Beobachtungen, sondern nach Auswirkungen einer vermuteten allgemeinen Eigenschaft auf andere Bereiche der Welt. Unter Umständen kann eine einzige Beobachtung eine neue Erkenntnis als evident bestätigen. Als hilfreich erweist sich die Erfahrung, dass die Welt sich in manchen Bereichen streng an Regeln hält. Sie funktioniert offensichtlich auf eine bestimmte Art.

 

Empirisch erforschen heisst also Beobachten (der eigenen Erlebnisse) - folgern (widerspruchsfreier Einbau der Beobachtungen in das bereits bestehende Wissen, Aufstellen von Vermutungen über neue Beobachtungen) - beobachten (ob unsere Schlüsse auch zutreffen).

 

Unsere geistige Welt

Wir Menschen erstellen eine umfangreiche geistige Welt. Wir bilden die geistige Welt dank unseren Fähigkeiten des Denkens.

 

Wir stellen fest, dass uns die nötigen Fähigkeiten zu erkennen gegeben sind. Ihre Herkunft lässt sich leicht verstehen. Gemäss unseren Erkenntnissen sind wir im Verlaufe einer langen Evolution entstanden. Die Natur hat unsere Fähigkeiten schaffen müssen, um Organismen entstehen zu lassen, die dank einem zweckmässigen Verhalten überleben. Dank diesen Fähigkeiten können wir auch Vorstellungen über Eigenschaften der Welt bilden, insbesondere auch Regeln feststellen, nach denen sich die Welt verhält.

 

Die Logik enthält Grundsätze richtigen Denkens. Wichtig: Logik bezieht sich nie auf Eigenschaften der Welt! Zum logischen Denken gehört die Fähigkeit, etwas Bestimmtes zu meinen. Was wir meinen ist so, wie wir es meinen. Ein Quadrat ist nie rund, weil wir es als Figur mit Ecken verstehen.

 

Um richtige zu denken, müssen wir hinreichend genau wissen, was wir meinen, wenn wir uns gedanklich oder sprachlich auf einen Sachverhalt beziehen. (Wir tun es leider nicht immer!)

 

Sachverhalte, die wir meinen, betrachten wir als Einheiten. Sie haben Identität, unterscheiden sich von allem anderen und sind so, wie wir sie meinen. Das gilt auch für ungenaue Vorstellungen! Als abstrakte Einheiten sind sie zählbar und bilden die Grundlage der Mathematik. 

Die Mathematik gehört wie viele Spiele, auch das Schach, zu den Regelsystemen, die wir selbst geschaffen haben. Sie enthält keine Information über weitere Sachverhalte. Sie ist aber das Instrument zum quantitativen Erfassen der Eigenschaften der Welt. Dank starren Regeln können wir beweisen. Ein Beweis besteht im Nachweis, dass eine Folgerung exakt aus den Regeln folgt.

 

Zur geistigen Welt gehören auch Vorstellungen über das Verhalten, zum Beispiel über Recht und Unrecht. Auch sie hat uns die Natur mitgegeben. Sie betreffen aber die Zweckässigkeit des Verhaltens, nie Eigenschaften der Welt.